Arbeit mit Intuition
Unter Intuition kann man vieles verstehen. Ich beziehe mich in meinem Verständnis davon in erster Linie auf Heinrich Jacoby, einem Reformpädagogen aus dem 20. Jahrhundert, ohne den viele der heute bestehenden Körpertherapieformen so nicht existieren würden. Er ging in seinem reformpädagogischen Ansatz von einem „Empfinden für das Stimmende“ aus. Darunter verstand er ein unmittelbares Wissen darüber, was sich richtig und was sich nicht richtig anfühlt und das jedem Menschen angeboren ist.
Die Pflege und Entwicklung dieses „Empfindens für das Stimmende“ stellt nach seinem Verständnis eine Voraussetzung für ein Leben dar, in dem wir uns authentischer und identischer mit uns selber fühlen können. Zugleich können wir mit diesem Empfinden für das, was „stimmt“ und das, was nicht „stimmt“, Situationen unmittelbarer erfassen und (manchmal) antizipieren, wohin sie sich gegebenenfalls weiterentwickeln. Diese Form des intuitiven Verstehens kann aber nur gelingen, wenn wir mit unserer Aufmerksamkeit bei uns selber sind – Jacoby bezeichnet diese als eine Aufmerksamkeit „mit Pfeilrichtung auf sich selbst“ – und achtsam für uns selbst werden.
Das „Empfinden für das Stimmende“ kann außerdem auch noch als ein Aspekt der sogenannten „Inneren Weisheit“ begriffen werden. Diese wird als wichtiges therapeutisches Instrument sowohl in der modernen Traumatherapie als auch beim Holotropen Atmen, wie es von Sylvester Walch praktiziert wird, angewendet (siehe auch den Text über Intuitive Atemarbeit). Ich betrachte sie als eine Instanz in uns, die Orientierung und Halt bietet und uns durch (schwierige) psychische und körperliche Prozesse führen kann. Beide – das „Empfinden für das Stimmende“ und die „Innere Weisheit“ - fördern in der körpertherapeutischen Prozessarbeit die Entwicklung von inneren Ressourcen. Dies wirkt sich stabilisierend auf unser gesamtes psychisches System aus und erleichtert es, uns auch „schweren“ und belastenden Themen in der Therapie stellen zu können.
In der körperpsychotherapeutischen Prozessarbeit können die KlientInnen nun lernen,
- einen Zugang zu ihrem intuitiven Empfinden für das zu bekommen, was für sie stimmt und was für sie nicht stimmt,
- sich mehr von der Inneren Weisheit, die in diesem „Empfinden für das Stimmende“ zum Ausdruck kommt, in ihrem Leben leiten zu lassen
und
- dadurch selbstbestimmter zu leben.